Tourbericht Route des Grandes Alpes

Teil 2

5 Sterne Campingplatz an der Côte d'Azur bei Port Grimaud.
5 Sterne Campingplatz an der Côte d'Azur bei Port Grimaud.

Weiß nicht welcher Teufel mich geritten hat, die Küstenstraße Richtung Nizza und Cannes zu benutzen, wo ich mir doch eigentlich frühzeitig einen Campingplatz suchen wollte. Na, wird sich schon was entlang der Küstenstraße finden - zumindest dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch so. Nizza angekommen, Stopp and Go…Rien ne va plus.Und so ging es bis Cannes, wo ich  dann endlich zum tanken kam, nachdem ich feststellen musste, dass ich schon ne ganze Zeit mit blinkender Tankanzeige unterwegs war. Danach ging es schon etwas befreiter weiter, auch weil der verkehr nachließ, als ich auf die N 7 wechselte. Auch eine sehr schöne und kurvenreiche Strecke bis nach Frejus. Jetzt aber dringend einen Campingplatz finden.

Überall Belegt-Schilder an den Campingplätzen. In Saint Aygulf hatte ich vermeintliches Glück und der dritte Campingplatz hatte noch einen Platz für mich frei. Diese Spinner wollte allerdings 35 Euro für eine Nacht. Nachdem ich dem Platzhirni den Vogel gezeigt hatte fuhr ich dann weiter Richtung St. Tropez, da gab es ja den mir bekannten Campingplatz Prairie de la Mer…Mittlerweile 21 Uhr und auch dort nix zu machen. Alle Campingplätze zwischen Ste. Maxime und St. Tropez waren belegt. So stand ich dann da, bei Port Grimaud und überlegte wo und wie ich die Nacht verbringen wollte. Brauchte dringend ne Mütze Schlaf. Am Strand niederlassen war noch nicht, weil dort trotz zunehmender Dunkelheit noch Betrieb war. Dann mal noch durch die Gegend fahren, ne Tanke suchen, damit ich mir noch ne Flasche Wasser kaufen kann…vielleicht auch etwas für zwischen die Zähne – die letzte Mahlzeit lag schon 24 Stunden zurück. Aber die Tanke verkaufte nichts mehr, außer Sprit…Nach 18 Uhr Rien ne va plus. Also zurück, auf den Spazierweg an der N 98, Rad und Fußweg, 3 m breiter Grünstreifen  von der Hauptstraße durch ne Hecke abgetrennt, und am Zaun des Campingplatzes. Als dann machte ich mich dort breit. Zelt brauchte ich nicht. Unterlage und Schlafsack waren ausreichend. Verkehr ohne Ende, bis weit in die Nacht. Dafür bezahlen diese Leute, zwei Meter neben mir hinterm Zaun, 30 Euro und mehr. Mir war es egal, Hauptsache nen Platz zum nächtigen – am Strand war immer noch Betrieb gewesen, und ehrlich gesagt wollte ich auch nicht unbedingt paniert werden. Zum Glück hatte ich noch ne halbe Flasche warmen Cola und den Whiskey im Gepäck, so hatte ich wenigstens noch etwas zum trinken.

Am nächsten Morgen aber wusste ich, dass mich die Côte d'Azur nie wieder sieht. Da gibt es nix außer Verkehrschaos.

 

So machte ich mich am frühen Freitagmorgen auf den Weg und fuhr Richtung Grimaud um nach Le Luc zu gelangen. Sehr schöne und kurvenreiche Strecke. Von Le Luc fuhr ich über Brignoles und Saint-Maximin-la-Sainte-Baume nach Aix en Provence, wo ich mir in so nem Laden ein Sandwich kaufte. Knapp vier €uronen, dafür aber 30 cm lang und mindestens 5 cm dick, dazu anständig mit Wurst, Käse, Tomaten und Grünzeug, doppelt und dreifach belegt. Meine Weiterfahrt führte mich zum Aquädukt von Roquefavour, wo ich ne Frühstückspause einlegte. Also, dieses Sandwich war selbst ausgehungert wie ich war nicht zu schaffen.

Weiter ging es in Richtung St Martin de Crau, wo ich einen Abstecher zum Etang des Aulnes machte. Wetter verschlechterte sich und ein paar Regentropfen hatte ich auch schon abbekommen. Zum Etang direkt gelangte ich nicht. Machte eine Kurze Rast. Ein Biss ins Sandwich, noch schnell ne Zigarette. Und dann kam Polly…oder wie auch immer. Jedenfalls ne ältliche Frau, die mich darauf hinwies, dass man hier nicht rauchen und campen dürfe. Sie kam wie aus dem Nichts mit ihrem Auto, und verschwand auch wieder in die Richtung, aus der sie gekommen war. Schien so, als ob sie mich von weitem bemerkt hatte, und nur deshalb gekommen ist. Na ja, ich wollte eh weiter. Es ging noch ein Stückchen Richtung Arles und dann geradewegs nach Saintes Maries de la Mer in der Camaque. Das Wetter wurde wieder besser und das Gewitter verzog sich von meiner, vor mir liegenden Route. Bis auf kurzen leichten Regen war das Wetter ok. Auf dem Weg in die Camarque überall Pferde, die darauf warteten, dass sich die Touris ihrer annehmen und nen Ausritt tätigen. In Saintes Maries angekommen drehte ich sofort auch wieder um – zu viel Trubel für meinen Geschmack. Dann noch ein paar Fotos von ungesattelten Camarque-Pferdchen und Flamencos…nee, Flamingos heißen die wohl, gemacht. Da die Strecke zurück ziemlich gerade und auch lang war, nahm ich meine Digi-Knipse, Schlaufe ums Handgelenk, Videomodus eingestellt, und weiter. Dann während der Fahrt ein wenig die Gegend gefilmt. Linke Hand brauchte ich ja nicht zum kuppeln, da rauf- und runterschalten, bis aufs Anfahren,  auch tadellos ohne zu kuppeln funktioniert.

 

Mein nächstes Etappenziel sollte Pont du Gard sein, wobei mich der Weg über Arles und Beaucaire führte. Der Mistral blies ganz schön heftig, und so wunderten mich die ganzen Hinweisschilde, die auf starken Seitenwind hinwiesen, auch gar nicht so sehr. Nun ja, Pont du Gard angekommen, Barriere, 15 €uronen zum parken. Anderen Zugang sah ich nicht – Andere scheinbar auch nicht. Sah aus, als wollte keiner diesen Parkplatz, zum angegebenen Preis, aufsuchen. Es war heiß ohne Ende und keinen Bock da noch lange rumzusuchen, nur um nen Blick auf diese alten Steine erhaschen zu können - also weiter. Wollte eh wieder in die Berge. Dann über die N 86 nach Bagnols sur Cèze und Pont St Esprit auf die D 94  nach Nyons. Endlich wieder anständige Motorradstrecke, Weiter führte mich der Weg nach Rosans, wo ich auch pausierte - was ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nichts wissen konnte. In Rosans angekommen, überlegt, ob ich noch bis Gap fahren sollte, oder schon hier einen Campingplatz aufsuchen sollte. Ob der Tatsache, dass vor mir eine mächtige Gewitterfront lag, sollte ich mich besser hier umsehen. Sah aber meinen späteren Campingplatz nicht, obwohl er nur 20 m entfernt war. Ok, ein paar Kilometer kann ich noch, und hier in der Gegend findet sich immer ein Campingplatz – nicht so wie an der Côte. Meine Weiterfahrt sollte aber schneller enden als es mir lieb war…

 

Auf dem halben Weg zwischen Rosans und Moydans flog mir irgendetwas aus dem Tankrucksack, den ich zuvor nicht richtig verschlossen hatte. Sah es noch im Rückspiegel wegfliegen. Also etwa hundert Meter weiter angehalten. Eigentlich ne recht ungünstige Stelle zum umdrehen, aber ich tat es trotzdem. Na ja, es war in einer Kurve, die Straße hing stark zum rechten Straßengraben. Gewendet, Gas gegeben, und dann ging alles recht schnell. Irgendwie blockierte der Lenker, bekam ihn nicht mehr gerade und die Lady warf mich per klassischem Highsider ab. Ich landete zum Glück im Straßengraben und nicht unter der Maschine. Der Tankrucksack lag neben mir. Aufgesprungen und versucht das Bike anzuheben. Es lag mitten in der Kurve. Ging nicht – voll beladen, bis auf den Tankrucksack und mich. Keine Chance da die Straße zum Graben sehr starkes Gefälle aufwies. Dann kam endlich ein Auto. Alter Schwede…nee, war ein Engländer. Ich versuchte ihm klarzumachen, das er ein paar Meter weiter fuhr, um den Verkehr zu warnen. Nicht auszudenken, wenn da einer durch die Kurve kommt und übers Bike fährt. Er hat es endlich geschnallt, rechtzeitig denn es kamen nun gerade noch ein Wohnmobil und ein paar PKW. Die hielten an. Dann kam eine Frau auf mich zu, und sprach mich auf deutsch an. Ich hatte die Hände etwas blutig, da ich zu diesem Zeitpunkt keine Handschuhe trug, und das rechte Knie etwas derb angeschlagen. Die Frau meinte, dass ihr Mann und andere sich um das Motorrad kümmern würden, und ich erst mal aus der Gefahrenzone raus und mich hinsetzen solle. Gesagt getan. Sie hielt mir noch ne Flasche Wasser an den Hals, die ich auch sehr gerne annahm. Mopped stand mittlerweile auf der anderen Seite und ein anderer Biker sammelte meinen Tankrucksack und mein verlorenes Zigarettenetui auf. Der Schaden am Bike schien nicht ganz so schlimm wie ich erwartet habe. Bremshebel abgebrochen, Blinker aus Halterung gebrochen, ein paar Schürfwunden an Verkleidung, Lenker und Motordeckel. Inzwischen sind alle weitergefahren, bis auf diese Frau mit dem englischen Wohnmobil und ihrem Begleiter. Sie wollten mich mit zurück nach Nyons zu ihrem Campingplatz nehmen, aber nie und nimmer würde ich das Bike da in der Pampa alleine stehen lassen. Nix da. Startversuch misslang. Erst nach etlichen weiteren Startversuchen sprang der Motor wieder an. Lag wohl am Sprit, der aus den Vergasern ausgelaufen  war. Rebecca und Barry, so hießen die Beiden, nahmen den Tankrucksack zu sich ins Wohnmobil und fuhren bis Rosans hinter mir her, so dass ich besser schauen konnte, ob so weit alles mit dem Bike okay war. In Rosans angelangt, waren Rebecca und Barry mir noch behilflich bei der Campingplatzsuche. Der Erste war ein Nudistenplatz, also Fehlanzeige. Wieder im Ort, rein in das Tourist Office. Dort bekamen wir dann den Hinweis zum Camping Municipal, der nur unweit gelegen war. Die Beiden begleiteten mich noch zum Campingplatz, fragten noch nach, ob wirklich alles mit mir ok wäre. Dann verabschiedeten sie sich. Auch an dieser Stelle möchte ich mich bei den Beiden, Rebecca und Barry vielmals für ihre Hilfe bedanken.

Der Campinplatz war eigentlich nicht für Zelte gedacht, aber der Platzwart gedachte mir einen Platz auf einen Stückchen Wiese mit Tisch und Bank zu, der eigentlich nicht zum campen gedacht war. Dann brachte er mir noch ne Flasche frisches, eisgekühltes Wasser.

 

Noch währende des Zeltaufbaus begann es zu regnen, aber nur kurz. Als das Zelt stand hörte der Regen auf. Geil.

Am nächsten morgen checkte ich das Bike durch. Schien so weit alles okay zu sein. Nur was hatte die Blockade ausgelöst... Nach einigem Grübeln gehe ich davon aus, dass sich beim wenden, der doch recht stark eingeschlagene Lenker, am Tankrucksack verhakte.

Nun denn. Aufgrund der Wetterlage – es war ja für die Region für Freitag/Samstag gemeldet – und des abgebrochenen Bremshebels, beschloss ich, den Heimweg anzutreten. Es würde wenig Sinn machen, mit halbem Bremshebel über die hohen Pässe zu fahren, zudem mit Option auf Gewitter eh nicht angenehm.

 

Um zehn Uhr ging es dann gemächlich, sehr gemächlich los, schließlich musste ich erst mal sehen, ob das Bike richtig funktioniert. Der nächste Yamaha Dealer war in Gap, was ich aber bleiben lies. Meine Fahrt führte mich nach Serres. Dort war mächtig Betrieb auf der Straße. Stau in Richtung Gab. Es war Samstagmorgen, und so wie es aussah war halb Frankreich unterwegs ins Wochenende. Zum Glück musste ich ja nun nicht mehr Richtung Gap sondern nach Grenoble. Also links abgebogen und ab geht’s  auf die N 75. Auf den ersten 15 Kilometern schien die N 75 auf der Gegenfahrbahn eher einem Parkplatz als einer Straße ähnlich. Was wollen die alle in Gap?

Die erste Bewährungsprobe am Col de la Croix Haute (1177 m) und Col du Fau (899 m) stand bevor. Nix bewegendes, aber mit nem halben Bremshebel auch eine kleine Herausforderung – so langsam fasste ich wieder Vertrauen in die Lady, die immer noch nen Nagel im Vorderreifen hatte. Unterwegs dicke Wolken, etwas Regen und vom Mont Aiguille bei Clelles nix zu sehen. Dann in Monestir de Clermont, kurz vor Grenoble, in eine Bäckerei gesprungen und ein Croissant erstanden.

Kurz darauf dann durch Grenoble und weiter nach Bourg en Bresse. Von dort aus Richtung Besançon. Rechts und links von mir ziemlich schwarzer Himmel. Sollte ich doch noch ins Gewitter kommen? Schnell durch Besançon und ab nach Vesoul. Unterwegs noch schnell an nem offenen Supermarkt getankt – keine Experimente mehr. Dann weiter Richtung Epinal, Himmel schwarz wie die Hölle, Rastplatz angefahren, ne Zigarette, Schluck Wasser getrunken und Regenkondom übergezogen, nur zur Vorbeugung. Und die Vorbeugung war gut, denn keine fünf Kilometer weiter machte es runter. Gewitter . Typisch Vogesen. Und dabei wollte ich doch nie mehr bei Regen und Dunkelheit weiterfahren…Alle guten Vorsätze über Bord geworfen und weiter…Ein ganzes Stück weit nach Epinal hörte der Regen langsam auf.  Dann Nancy und Metz. Dort, kurz vor Metz auf die Autobahn Richtung Saarbrücken - keinen Bock mehr auf die 50 km Landstraße von Metz bis zu mir nach Hause. Dann St. Avold runter, unterwegs etwas Regen. Nach Creutzwald und Überherrn und dort in die Pizzeria, ne Tüte Spaghetti zum mitnehmen bestellt. Nur noch ein paar Kilometer bis nach Hause und dort die dritte, warme, Mahlzeit in 5 Tagen zu mir nehmen. Die Tour war richtig geil, zumindest bis Monaco…absolut wahnsinnig geil…Und die verpassten Berge und Pässe werde ich wohl im nächsten Jahr nachholen, und dann gilt der gute Vorsatz, nicht mehr raus aus den Bergen und auf gar keinen Fall  die Côte d'Azur.