Tourbericht Route des Grandes Alpes

Teil 1

Cormet de Roselend
Cormet de Roselend

Heute, Montag, 3. August 2009, halb zehn aus den Federn.

Einen  Cappu in die Tasse, PC angeworfen. Routenplaner gestartet, Navi angeschlossen -wollte Donnerstag oder Freitag los in Richtung französische Alpen, zur Route des Grandes Alpes. Also dann mal grob die Tour abstecken, aufs Navi übertragen.

Wetter.com aufgerufen, Val d’ Isere eingegeben. Für Freitag war Gewitter angesagt. Hmm…

Grübel….Grübel…Einen Tag früher los? Zwei Tage früher los? Quatsch…Morgen los…

 

Motorrad gecheckt, Untensilien zusammengesucht. Weiter Route planen. Wetter soll bis Freitag Abend auf der Strecke okay sein. Wenn ich Morgen losmache, bin ich Freitag auf alle Fälle durch die Berge durch und habe die angekündigten Gewitter hinter mir gelassen.

 

Stunden später…Verspüre keine Müdigkeit, aber ne Mütze Schlaf brauche ich schon. Also in die Kiste, Buch vor die Nase – normalerweise ist nach zehn Minuten Augenpflege angesagt.

Nix mit einschlafen…Woher kenn ich das bloß…

Letztes Jahr habe ich ganze 15 Minuten Schlaf gefunden- vor der Tour. Heute war das nix, kein Auge zugetan. Also dann wieder aufstehen, gemütlich nen Cappu schlürfen und dann Motorrad beladen. Kann ja um die Mittagszeit ein Päuschen einlegen und ein Stündchen die Augen zumachen.

 

Punkt 6.00 Uhr ging es dann am Dienstag, den 4. August los in Richtung Metz – wo ist die Helligkeit?

Nebel bis Metz und kalt. Zum Glück hatte ich was warmes angezogen.

Ne Stunde später hatte ich 75 km zurückgelegt und Metz hinter mir gelassen. Zigarettenpause und etwas aufwärmen. Die Sonne blickte durch ein Nebelloch von 5 Quadratmetern – musste ich ausnutzen. Kalt wie die Sau…

Dann 8.30 Uhr Épinal erreicht, Zigarettenpause und endlich etwas wärmer, und weniger Nebel.

Dann ging es weiter über Vesoul nach Besançon. Um 10:45 Uhr Zigarettenpause Ausgangs  Besançon, an der Avenue de la Gare d`Eau, direkt am Fluss Doubs. Wetter, sonnig, windig, warm.

Unterwegs hatte das Navi den Geist aufgegeben, Mangels los Akkufüllung, da sich ein Kabel gelöst hatte. Keine Lust das Gepäcke abzuladen, um das Kabel wieder anzubringen. Später. Den Weg bis Lons-le-Saunier finde ich auch so, brauchte ich doch nur der N 83 zu folgen.

Dann legte ich einen ungewollten Stopp ein…Irgendwas hatte mich in den Hals gestochen. Schit…brannte wie die Hölle, und in kürzester Zeit schwoll es zu Hühnereigröße. Nix für Stiche eingepackt…vergessen.

Dann weiter, aber in Poligny war Schluss mit Lustig…verpasste die Straße Richtung Genf -musste ja nicht bis nach Lons rein.

Keine Karte, und keine Sau auf der Straße, die man hätte fragen können. Türlich geradewegs 8 km in die falsche Richtung gefahren. Montholier, junge Frau gesehen, die gerade in ihr…oder wer  weiß wessen Auto steigen wollte. Halt, „Bonschur Mattmosell, Direction Geneve? Puis retour à Poligny, Direction Vaux-sur-Poligny. Merci et au revoir. Au revoir et bonne Navigation“ ???Navigation??? Das Scheiß Ding ist doch stromlos verendet…

Na ja, auf jeden Fall stimmte nun die Richtung. Also weiter über die N 5 Richtung Gex und Genf. So langsam müsste ich mal tanken… Sonderbar, keine offene Tankstelle zu finden, ebenso wenig wie einen geöffneten Supermarkt mit Tankstelle – es war doch Dienstag? Schien irgendwie Feiertag zu sein, aber welcher…

Supermarkt angefahren, irgendwo, Morbier oder Morez, über 430 km…mit Karte getankt – bei der ersten Tankstelle hatte es nicht funktioniert. Knappe 19 Liter aufgefüllt.

Sollte meine Tankstopps früher einplanen, kann in Frankreich eng werden.

 

Um 15:15 Uhr kam ich in Genf an, zuvor aber noch bei Gex ne kurze Pause eingelegt und ein paar Fotos vom Genfer See geschossen. Viel mehr werde ich wohl auch nicht mehr vom See zu sehen bekommen.

Irgendwo hinter Genf angehalten, Kippe, Wasser, Pulli aus - heiß ohne Ende. Sitzbank abgezogen, ohne Gepäck abzuladen und Kabel vom Navi wieder befestigt, halbwegs.

Weiter über Annemasse, Bonneville nach Cluses und Sallanches. Kurz vor Sallanches Rast gemacht, 16:45. Irgendetwas glitzert da am Vorderreifen. Bei näherem betrachten…Nagel,…was tun…rausziehen und sehen, wie lang er ist? Hmm…Reparaturset hatte ich ja dabei…sollte ich wirklich? Nee, lieber nicht –wer weiß schon, wie lange ich mit diesem Dings da im Reifen rum fahre, und Luft scheint er ja nicht zu verlieren. Habe schlechte Erfahrung mit Nagel rausziehen gemacht, in Südfrankreich. Damals schnell wieder rein damit, und den Rest von Nizza bis Port Grimaud, zum Campingplatz gefahren.

Also dann, weiter Richtung Megève und unterwegs noch Fotos vom Mont Blanc gemacht.

  Von Megève aus ging es dann in Richtung Ugine, wobei ich die Abzweigung zum Col des Saisies verpasste Navi hat wieder gestreikt), und so nach Ugine gelangte. Dort fuhr ich dann über den Col de la Forclaz de Queige (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Pass im Schweizer Kanton Wallis). Eine Straße, nicht breiter als ein Hausflur. So gelangte ich dann über Queige und Villard sur Doron, nach Beaufort sur Doron. Dort suchte ich mir einen Campingplatz, da es jetzt endlich mal Zeit wurde abzusteigen. Mittlerweile war es 19.00 Uhr, und noch nix gegessen. Zelt aufgebaut, Kabel des Navi richtig befestigt, Essen und trinken ausgepackt, und dann noch nen Whiskey- Cola, oder auch zwei, und dann mal die Augen zugemacht.

 

  Am nächsten Tag, Mittwoch, 5. August, ging es um 9:00 Uhr los zum Col de Mèraillet (1605 m), der Teil der Cormet de Roselend Passstraße (1968 m) ( und dem Lac de Roselend, wo mich eine traumhafte Kulisse erwartete. Ein Wahnsinn in grün und blau. Weiter ging es dann zum Roselendpass (1968 m) über Bonneval les Bains nach Bourg-Saint-Maurice, wo ich um 10:45 eintraf.

Hinter mir lag eine der schönsten Berglandschaften, wenn nicht die schönste überhaupt. So ging es dann ohne Aufenthalt weiter nach Séez Richtung Val-d’Isère, mit einem Zwischenstopp am Lac du Chevril bei Tignes bzw. Les Boisses.

Von Val d`Isère aus fuhr ich zum Col de l’Iseran (2770 m). Traumhaft…auch das Wetter…Fast 30° C. und strahlend blauer Himmel…bis auf die paar Chemtrails…

Nach einer kurzen Rast ging es dann runter nach Bonneval-sur-Arc und weiter nach Lanslebourg-Mont-Cenis, Modane nach Saint-Michel-de-Maurienne. Von dort fuhr ich zum Col du Télégraphe (1600 m) und nach Valloire. Mittagspause, 14:30, und Hunger. Also Mopped abgestellt, hingesetzt, nen Teller Spaghetti und ne große Cola bestellt. Erste feste Nahrung seit Montag. Abend, wenn man von dem halben Toast mit Käse absieht, der ob der Hitze eher flüssig war, und somit nach einem Bissen in der Tonne verschwand.

 

Frisch gestärkt machte ich mich auf den Weg zum Col du Galibier (2642 m) und dem Col du Lautaret (2058 m), und weiter über die N 91 nach Briançon, wo ich einen Tankstopp einlegte. Neun Liter Durst hatte das Mopped, und nach ner halben Flasche Wasser für mich, ging es gegen 17:00 Uhr, bei über 30° C weiter zum Col d’Izoard (2361 m) nach Guillestre, wo ich mir einen Campinplatz suchte, Camping La Rochette-Guillestre. Dort besorgte ich mir was gegen mein Osterei am Hals. Mittlerweile war es 18:45. Zelt aufbauen, nicht ohne mir nen Whiskey-Cola zu genehmigen. Dann unter die Dusche und zur Snackbar auf dem Campingplatz. Geil, zwei warme Mahlzeiten am Tag, wenn auch wieder Spaghetti, und dazu zwei Fläschchen Bier und ne Dose Cola. Danach rein ins Zelt und Augenpflege.

  Am Donnerstag, um halb Neun, machte ich mich auf den Weg zum Col de Vars (2111m). Um 9:45 kam ich in Jausiers an, wo ich nach kurzer Rast um 10 Uhr den Weg zum Col de Restefond (2678 m) einschlug. Danach folgte die wahnsinnig geile Auffahrt zum höchsten asphaltierten Pass der Alpen, dem Col de la Bonette (2802 m), wobei ich die Schleife um den Cime de la Bonette fuhr. Dort war mächtig viel los…Zig Motorrad- und Radfahrer. Allerdings blieb mir das auf der Strecke erspart, so dass ich die ganzen Pässe, bisher, mit sehr wenig Verkehr befahren konnte…Wer bekommt schon solch ein Geschenk gemacht. Als dann hielt ich mich in diesem Gewimmel auch nicht  weiter auf und fuhr von dannen. Die Abfahrt vom Pass war schon eine Sache für sich. Ein Radfahrer, den ich kaum abhängen konnte. Sollte man nicht glauben, ist aber so. Dann weiter unten machte ich einen kurzen Halt, da die Straße durch ein verlassenes Camp/Lager führte. Ein paar Fotos, und ein paar hundert Metern, weiter wurde ich von einer Schafherde gestoppt. Das Schauspiel währte nicht allzu lange, da eine, scheinbar unter Druck stehende (vermute PMS oder so etwas), junge Frau aus dem Auto sprang und irgendeinen Gesang, der mich an Indianer erinnerte,  an den Tag legte, und die Schafe jodelnd, mit den Händen wild fuchtelnd, zum weitertraben bewegte. Weiter ging’s nach Saint-Étienne-de-Tinée. Kurze Trink- und Zigarettenpause. Danach weiter über Isola und Saint-Sauveur-sur-Tinée zum Col St. Martin (1500 m). Absolut fantastisches Kurvengeschlängel, für mich ganz alleine. So wahnsinnig geil, dass ich am liebsten eine La Ola Welle auf dem Bike ausgeführt hätte. In St. Martin Vesubie angekommen ging es etwas verhaltener zur Sache. Weiter führte mich der Weg nach Sospel, wobei ich am Col de Turini (1607 m) meine Route ändern musste, da die Straße nach Sospel gesperrt zu sein schien…so jedenfalls konnte ich die Hinweisschilder deuten. Dann eben über den La Cababette (1372 m) nach Lucéram und L'Escarène . Irgendwie gelangte ich von dort nach La Turbie und dann nach Monaco, wo ich zum Hafen fuhr. Es war 17 Uhr, ne Zigarette, danach ne kurze Stadtrundfahrt, einen Bugatti Veyron 16.4 gesehen, und…ja, und dann begann die Odyssee…

Gedenkstein am höchsten Pass der Alpen. Col de la Bonette
Gedenkstein am höchsten Pass der Alpen. Col de la Bonette